20-03-16

Pflegestandards
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Medikamentengabe über die PEG-Sonde: Das sollten Sie wissen

Autor: Redaktion
Wenn Ihr Pflegekunde mit Demenz auf normalem Weg keine Nahrung mehr zu sich nehmen kann, entscheiden häufig die Ärzte darüber, ob eine PEG gelegt wird oder nicht. Ist dies der Fall, müssen manchmal auch die Medikamente über die Sonde verabreicht werden. Da deren Aufbereitung unmittelbar vor der Applikation erfolgen muss, stehen Pflegekräfte und Angehörige vor der Aufgabe, die oft zahlreichen Arzneimittel am Patientenbett vorzubereiten und über den Schlauch zu applizieren. Doch hier sind spezielle Fachkenntnisse nötig, um Komplikationen wie Sondenverstopfung oder Wechselwirkungen der Arzneistoffe zu vermeiden. Daher erfahren Sie im Folgenden, was Sie bei „Arzneimittelapplikation durch die PEG“ beachten sollten.

Sprechen Sie diese Punkte mit dem Arzt ab wenn Sie Medikamente über die PEG-Sonde verabreichen

Immer dann, wenn Sie beurteilen müssen, ob ein Arzneimittel über die PEG verabreicht werden kann, stehen der Patient und sein Ernährungssystem im Mittelpunkt. Denn wegen der Vielzahl möglicher Komplikationen muss die Verabreichung von Medikamenten über eine Sonde auf das tatsächlich Notwendige beschränkt werden. Bevor Sie versuchen, Ihrem Pflegekunden die verordneten Medikamente über seine PEG zu verabreichen, sollten Sie folgende Punkte mit dem behandelnden Arzt klären:
  • Ist beim Patienten eine orale Gabe trotz PEG noch möglich?
  • Benötigt Ihr Pflegekunde in seiner  aktuellen Situation wirklich alle Arzneimittel?
  • Gibt es die nötigen Arzneimittel auch in flüssiger Form? Arzneimittel in flüssiger Form sind unkomplizierter über den Ernährungskatheter zu geben als feste Formen. Da jede Ernährungssonde für die Zufuhr von Flüssigkeiten konzi- piert ist, ist die flüssige Arzneimittelform immer zu bevorzugen.
  • Ist eine Umstellung der Arzneimittelform möglich? Könnte z. B. die rektale, transdermale, sublinguale oder parenterale Gabe erfolgen?
  • Ist das Zerkleinerndes Medikamentes möglich?
  • Gibt es Wechselwirkungen,oder kann es zu Unverträglichkeiten zwischen der Sondennahrung und dem Medikament kommen?
  • Ist die Sonde für die Medikamentengabe konzipiert? Ganz wichtig für die Beurteilung der Sondengängigkeit ist natürlich das System selbst: Welche Art liegt vor? Eine PEG ist aufgrund ihrer Kürze und Breite immer unkomplizierter für die Arzneimittelgabe als z. B. eine transnasale Sonde, eine JET-PEG oder eine FKJ. Ebenso wichtig ist der Durchmesser der Sonde: Relevant für den Weg des Arzneimittels ist der Innendurchmesser des Katheters und des Ansatzstücks der Sonde. Diesen Punkt sollten Sie mit dem Arzt abklären.
  • Wo endet die Sonde? Zudem sollten Sie beachten, wo die Sonde endet, denn der Dünndarm hat im Unterschied zum Magen keine Speicherfunktion. Es sollte somit eine Flüssigkeitsmenge von maximal 50 ml als Bolus in den Dünndarm gegeben werden. Magensaftresistente Arzneiformen können fein zermörsert werden, da ein Magenschutz im Unterschied zur gastralen Lage nicht mehr erforderlich ist.
  • Wie wird die Sondennahrung zugeführt? Kontinuierlich oder in Ein- zelportionen? Denn wenn das Medikament einen bestimmten Abstand zur Nahrungsaufnahme haben muss, z.B. eine ½ Stunde vor dem Essen, muss die Zufuhr der kontinuierlichen Zuführung mindestens 30 Minuten vor der Medikamentengabe gestoppt werden. Dies kann pflegerisch sehr aufwendig sein, z. B. bei der mehrmals täglichen Gabe von Arzneimitteln bei kontinuierlicher Zufuhr der Sondennahrung.

Hinweis: Wenn Ihr Pflegekunde mit Demenz über eine PEG ernährt wird, sollten Sie alle Anweisungen des Arztes vorliegen haben (z. B. Zerkleinern des Medikamentes, flüssige Form bevorzugen o. Ä.). Bei Unklarheiten sollten Sie oder Ihre PDL auf jeden Fall Rücksprache mit dem Arzt halten oder einen Apotheker hinzuziehen. Dokumentieren Sie Ihr Vorgehen unbedingt in der Patientendokumentation. Grundregeln für die Pflegepraxis. Wenn Sie obige Punkte mit dem Arzt abgeklärt haben und einige Medikamente gemörsert über die PEG appliziert werden sollen, müssen Sie die 4 Grundregeln in der Übersicht auf beachten.

medikamentengabe_peg

Zum Verabreichen von Medikamenten über die PEG oder zum Spülen der PEG sollten Sie nur abgekochtes Leitungswasser oder stilles Wasser aus der Flasche verwenden. Zwar wird in vielen Einrichtungen und auch in der häuslichen Versorgung immer noch Tee für die Flüssigkeitsgabe bei Pflegekunden mit einer PEG eingesetzt, doch darauf sollten Sie verzichten, da sich in abgekühlten Tees sehr gern Bakterien vermehren.
Auch auf Früchtetees sollten Sie verzichten, denn durch die darin enthaltene Fruchtsäure flocken die in der Sondennahrung enthaltenen Eiweiße, was zum Verstopfen der PEG führen kann. Auf Schwarztee, der ja Gerbstoffe enthält, reagieren manche Arzneistoffe, und es kann zu Komplikationen kommen. Zudem können Gerbstoffe Ablagerungen in der Ernährungssonde verursachen.

Es gibt keinen belegbaren Vorteil dafür, Tee als Transportmedium zur Verabreichung von Medikamenten zu verwenden. Vielmehr sollte auf Tees in der Praxis generell verzichtet werden. Gleiches gilt wegen der enthaltenen Fruchtsäuren auch für Fruchtsäfte, Cola usw.

Fazit:  Die Arzneimittelgabe über die PEG ist eine interdisziplinäre Aufgabe und erfordert spezielles Fachwissen aller Beteiligten, denn es sind medizinische, pflegerische und pharmazeutische Aspekte zu berücksichtigen. Optimal sind eine patientenindividuelle Datenerfassung durch die Pflegenden, eine Beurteilung durch den Apotheker sowie eine Endkontrolle und Verordnung durch den Arzt. Auf diese Weise ist ein fachgerechter Umgang mit Sonden und Arzneimitteln gewährleistet.
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