18-01-16

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Aggressiver Pflegekunde: Was dahinterstecken kann und wie Sie Ihre Mitarbeiter schützen

Autor: Redaktion
Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen ist ein häufig diskutiertes Thema. Es gibt hierzu um fangreiche Fachliteratur, Schlagzeilen und Berichte. Doch wie sieht es im um gekehrten Fall aus, wenn ein Pflegekunde seine Aggressionen gegen eine Pflegekraft richtet? Denn in Pflegesituationen kommt es häufig vor, dass Pflegebedürftige sich gegenüber Pflegenden aggressiv oder gewalttätig verhalten, etwa in Form von Beleidigungen, Drohungen, aber auch Übergriffen wie Schlägen, Bissen, Tritten oder Ziehen an den Haaren.
Bestimmt sind auch einige Ihrer Pflegekräfte schon einmal von einer aggressiven Reaktion eines pflegebedürftigen Menschen überrascht worden. Daher haben wir für Sie einen Artikel erstellt, den Sie einmal mit Ihren Mitarbeitern durchgehen sollten. Denn dann sind Ihre Mitarbeiter vorbereitet und wissen, wie sie mit dem aggressiven Verhalten pflegebedürftiger Menschen besser um gehen können.
Die Ursachen von Gewalt gegenüber Pflegekräften können ganz unterschiedlich sein. Folgende Ursachen, Krankheitsbilder bzw. Situationen führen häufig zu aggressivem Verhalten oder Gewalthandlungen insbesondere bei älteren pflegebedürftigen Menschen:
  • fehlende Akzeptanz der persönlichen Pflegesituation
  • zunehmende Hilflosigkeit und Abhängigkeit
  • Fremdbestimmung
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Schmerzen
  • demenzielle Erkrankung
  • psychiatrische Erkrankung
  • delirante Zustände
  • Unter- oder Überzuckerung
  • Erregungszustände bei Menschen mit
  • geistiger Behinderung und akutpsychiatrischen Störungen

Gewalt und deren Folgen

Wenn eine Ihrer Pflegekräfte Gewalt durch einen Pflegekunden ausgesetzt ist, hat dies auch Folgen. Doch nicht nur Ihre Pflegemitarbeiter leiden, sondern auch auf Ihren Pflegedienst kommen Belastungen zu.
Das sind die möglichen Folgen für Ihre Mitarbeiter:
  • physische Folgen: Hämatome, Prellungen, Brüche, Kratz- und Bisswunden
  • Infektionen durch übertragbare Krankheiten etc.
  • seelische Folgen: Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, seelische Traumata, Burn-out etc.
Diese Belastungen kommen auf Ihren Pflegedienst zu:
  • krankheitsbedingter Ausfall von Mitarbeitern
  • Burn-out-Syndrom einzelner Mitarbeiter
  • Motivationsverlust der Mitarbeiter
  • Imageschäden
Entwickeln Sie gemeinsam Maßnahmen
Schützen Sie Ihre Mitarbeiter vor gewalttätigen Pflegekunden Als PDL sollten Sie es nicht akzeptieren oder herunterspielen, wenn ein Pflegekunde gewalttätig wird. Schützen Sie Ihre Mitarbeiter, denn dies ist Ihre Sorgfaltspflicht:
Sollte Ihr Pflegekunde aufgrund einer Erkrankung, z. B. Demenz, aggressive Verhaltensweisen an den Tag legen, sollten Sie mit Ihren Mitarbeitern eine Fallbesprechung durchführen und die auslösenden Faktoren ermitteln. Denn nur wenn Sie diese kennen und verstehen, können Sie diese zukünftig vielleicht z. B. durch Anpassung der Pflegeplanung verhindern oder rechtzeitig Maßnahmen gegen aggressives Verhalten ergreifen. Denn ein Mensch mit Demenz wird oftmals aus einer bestimmten Situation heraus gewalttätig. Das heißt: Für Gewalthandlun gen gibt es meistens einen Auslöser.
Sollte Ihr Pflegekunde allerdings noch kognitiv uneingeschränkt sein und wissen, was er tut, sollten Sie ein klärendes Gespräch, ggf. im Beisein der Angehörigen, führen. Machen Sie Ihrem Pflegekunden deutlich, dass Sie das Verhalten nicht akzeptieren. Sollte es dennoch wieder zu
ähnlichen gewalttätigen Handlungen kommen, sollten Sie zum Schutz Ihrer Mitarbeiter den Pflegevertrag kündigen.
Die dauerhafte Pflege kann zum Problem werden
Überlegen Sie genau, ob Sie die Pflege gewährleisten können. Einen einmaligen „Ausrutscher“ kann jeder Pflegedienst verkraften. Wenn aber Ihre Mitarbeiter auf Dauer belastet werden, sich die Stimmung im Team verschlechtert oder aber die Wirtschaftlichkeit auf dem Spiel steht, dann müssen Sie evtl. den Vertrag mit diesem Pflegekunden kündigen
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