24-01-16

Pflegedokumentation
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Die 6 häufigsten Irrtümer über das Führen von Trinkprotokollen

Autor: Redaktion
Viele Pflegekräfte befürchten, dass sie verantwortlich gemacht werden, falls ein demenziell veränderter Pflegekunde ein Flüssigkeitsdefizit entwickelt. Um nachzuweisen, dass sie dem Pflegekunden regelmäßig Flüssigkeit angeboten und die Trinkmenge nachgehalten haben, führen sie für jeden Pflegekunden mit der Diagnose Demenz ein Trinkprotokoll.
Möglicherweise kennen Sie diese Vorgehensweise auch aus Ihrem Arbeitsalltag. Doch dies führt in erster Linie dazu, dass Pflegekräfte seitenweise Trinkprotokolle ausfüllen und viel Zeit investieren, die tägliche Flüssigkeitsmenge zu berechnen. Die Argumente hierfür sind oft nur auf den ersten Blick stichhaltig, wie die unten stehende Übersicht zeigt.

Vereinfachen Sie Trinkprotokolle soweit wie möglich

Wenn Sie bemerken, dass Ihr Pflegekunde auffällig wenig trinkt, überprüfen Sie diesen Verdacht konkret, indem Sie zirka 7 Tage lang ein Trinkprotokoll führen. Hierzu reicht es aus, wenn Sie die Uhrzeit und die Menge der getrunkenen Flüssigkeit eintragen. Einfacher wird es, wenn Sie eine Strichliste führen, die jeder ausfüllt, der dem Pflegekunden etwas zu trinken anbietet
oder anreicht.

Was Sie bei der Einschätzung des Exsikkoserisikos beachten müssen

Klären Sie zunächst, ob für Ihren Pflegekunde grundsätzlich die Gefahr eines Flüssigkeitsdefizites besteht. Der Expertenstandard empfiehlt hierzu das Instrument PEMU, das von den Universitäten Witten/Herdecke und Bonn entwickelt wurde.

Übersicht: 6 Irrtümer zum Thema „Trinkprotokolle“

1. Demenziell veränderte Pflegekunden haben grundsätzlich ein höheres Exsikkoserisiko als orientierte Pflegekunden

Trifft nur zum Teil zu: Das Risiko ist höher als bei orientierten Personen, da viele demenziell veränderte Pflegekunden das Trinken vergessen oder möglicherweise nicht mehr wissen, wie man trinkt bzw. das vor ihnen stehende Getränk nicht erkennen.
Es gibt jedoch auch Personen mit Demenz, die aus eigenem Antrieb ausreichend trinken und
kein erhöhtes Risiko für einen Flüssigkeitsmangel haben.
2. Durch ein Trinkprotokoll verhindern Sie, dass Ihr demenziell veränderter Pflegekunde ein Flüssigkeitsdefizit entwickelt.

Falsch: Ein Trinkprotokoll gibt nur wieder, welche Menge an Flüssigkeit Ihr Pfl egekunde erhaltenn hat. Dies sagt aber noch nichts darüber aus, ob die Menge für ihn auch ausreichend ist.Wichtiger ist es, die Anzeichen einer drohenden Austrocknung zu erkennen. Dies sind

  • trockene Haut und Schleimhaut,
  • konzentrierter Urin,
  • trübe Augen,
  • plötzliche Verwirrtheit.

3.Trinkprotokolle sind ein gutes Kontrollinstrument und garantieren, dass der Pflegekunde ausreichend trinkt.

Trifft nur zum Teil zu: Viele Vorgesetzte ordnen das Führen von Trinkprotokollen an. Sie wollen so die Bedeutung der Flüssigkeitszufuhr hervorheben und ihre Mitarbeiter an diese Aufgabe erinnern. Das Trinkprotokoll ist in diesem Fall ein reiner Durchführungsnachweis.
Aus fachlicher Sicht reicht es aus, wenn Sie in der Pflegeplanung einen detaillierten Trinkplan
für Ihren Pflegekunden festlegen, die Maßnahmen ausführen und dies auf dem zugehörigen
Durchführungsnachweis bestätigen. Hinweis: Ergeben sich Abweichungen, gehört dies in den

Pflegebericht.

4. Das Trinkprotokoll ist die beste Möglichkeit, sich gegen Vorwürfe abzusichern.
Trifft nur zum Teil zu: Die klassische Situation spielt sich meist so ab: Ihr Pflegekunde wird ins
Krankenhaus eingewiesen. Dort stellen die Ärzte eine Exsikkose fest. Daraufhin werfen Angehörige Ihnen als Pflegekraft vor, Sie hätten sich nicht ausreichend um die Flüssigkeitszufuhr bemüht.
Falls vorhanden, zeigen Pflegekräfte den bevollmächtigten Angehörigen die Trinkprotokolle des
Pflegekunden, um ihre Sorgfalt nachzuweisen.
Dies ist nicht die einzige Nachweismöglichkeit. Mit der unter 3. beschriebenen Vorgehensweise
sichern Sie sich ebenso gut ab.
5. Ein Trinkprotokoll für demenziell veränderte Pflegekunden ist Pflicht.
Falsch: Pflicht ist, dass Sie das Risiko für ein Flüssigkeitsdefi zit Ihres Pflegekunden erfassen. Falls eine Gefährdung vorliegt, müssen Sie geeignete Maßnahmen ergreifen und deren Wirksamkeit evaluieren. Ein Trinkprotokoll legen Sie nur an, wenn es fachlich notwendig ist.
6. Für jeden demenziell veränderten Pflegekunden sollte der Arzt eine Mindesttrinkmenge festlegen.
Falsch: Dies ist erst sinnvoll, wenn Sie Anzeichen oder ein Risiko für ein Flüssigkeitsdefizit feststellen.
Hinweis: Sobald der Arzt eine Mindest- oder Höchsttrinkmenge festgelegt hat, müssen Sie die
Flüssigkeitsaufnahme genau ermitteln. Nur so erkennen Sie, ob Ihr Pflegekunde die festgelegte
Menge erreicht hat oder nicht.
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