12-03-14

Demenz
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Dies sollten Sie bei Ihren Vorleseangeboten berücksichtigen

Autor: Susanne Bokelmann

Viele Ihrer Bewohner können aufgrund nachlassender Sehfähigkeiten oder einer fortschreitenden Demenz nicht mehr selbst lesen.  Erfahren Sie hier, wie Sie Ihren Bewohnern den Lesegenuss durch gutes Vorlesen zurückbringen.

Wie Sie aus Erfahrung wissen, ist Vorlesen eine Bereicherung des Alltags. Es schafft Abwechslung und regt die Fantasie an. Zudem bietet es zahlreiche Möglichkeiten zur Erinnerungspflege und gezielten Biografiearbeit. Zusätzlich werden das Langzeitgedächtnis angeregt und die Konzentration gefördert. Zudem können die Ausdrucksfähigkeiten des Zuhörenden verbessert werden.

Beugen Sie Reizmangel bei Bettlägerigen vor

Vorlesen regt nicht nur Erinnerungen an, sondern auch die Sinne. Sie können gemeinsam Bilder anschauen oder den Text eines Gedichtes oder Liedes vortragen. Ein Buch ist schnell zur Hand und Sie können es bei Bedarf mit von Zimmer zu Zimmer nehmen oder aus einem privaten Buch des Bewohners vorlesen. So beugen Sie möglichem Reizmangel aktiv vor. Bei der Auswahl der Texte und Geschichten sind keine Grenzen gesetzt, einzig der Bezug Ihres Pflegekunden zum Inhalt spielt eine Rolle. Stellen Sie Ihr Vorleseangebot etwa unter ein Motto und betreiben Sie so gezielte Erinnerungspflege. Achten Sie dabei immer darauf, sich auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten Ihres Pflegekunden einzustellen und beobachten Sie seine Reaktionen während des Lesens immer wieder.

Vorlesen für Menschen mit Demenz

Aus Ihrer Praxis wissen Sie, dass Sie Ihre Betreuungsangebote für Menschen mit einer Demenz sehr häufig individuell anpassen und ggf. abwandeln müssen, so auch beim Vorlesen. Da das Vorlesen nicht nur das Langzeit-, sondern auch das Kurzzeitgedächtnis fordert, müssen Sie dem demenzerkrankten Zuhörer immer wieder „Brücken“ bauen. Nutzen Sie deshalb möglichst aus seiner Lebensgeschichte bekannte kurze Texte und regen Sie beim Vorlesen zusätzlich aktiv die verschiedenen Sinne an. Zeigen Sie dazu etwa geeignete Gegenstände und Bilder oder stimmen Sie ein passendes Lied an.

Beim Vorlesen für Menschen mit einer Demenz empfiehlt es sich, die Personalpronomen „er“, „sie“ und „es“ im Text immer wieder durch den eigentlichen Namen oder die Bezeichnung zu ersetzen, damit der Handlung gefolgt werden kann. Sonst ist es wahrscheinlich, dass die Zuhörer die einzelnen Personen des Textes nicht mehr erinnern und zuordnen können. Achten Sie zudem darauf, dass Sie den Zuhörer immer als Erwachsenen ansprechen und behandeln, auch wenn Sie vielleicht gemeinsam ein Kinderlied oder einen Kinderreim sprechen oder singen.

Tipp: Gutes Vorlesen ist gar nicht so einfach und bedarf der Beachtung einiger Grundsätze, sonst wird es schnell langweilig oder Ihr Zuhörer kann Ihnen nicht mehr folgen. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen, was Sie bei Vorlesen immer beachten müssen:

Übersicht: 5 Aspekte, die gutes von schlechtem Vorlesen unterscheiden
Stimme Achten Sie darauf, mit ruhiger, fester Stimme zu lesen. Sprechen Sie langsam und deutlich. Variieren Sie die Lautstärke, sprechen Sie mal lauter und mal leiser. Versuchen Sie, den einzelnen Personen im Text eine eigene Stimme zu geben, sofern es nicht mehr als 3 Personen sind. Verstärken Sie durch Ihre Stimme das Gefühl einer Äußerung, transportieren Sie so z. B. Freude, Wut, Angst oder Ärger. Die ist besonders für Menschen mit einer Demenz hilfreich zum Verständnis des Textes.
Mimik und Gestik Unterstützen Sie das Vorgelesene mit Ihrer Mimik und Gestik. Hierdurch verbessern Sie ebenfalls das Verständnis des Inhaltes. Stellen Sie zudem immer wieder den Blickkontakt zum Zuhörer her.
Pausen Pausen erhöhen die Aufmerksamkeit. Die reine Lesezeit sollte 5–7 Minuten nicht überschreiten, da dann die Konzentrationsfähigkeit nachlässt. Unterbrechen Sie den Lesefluss z. B. durch Fragen oder Erklärungen. In der Regel haben die Zuhörer selbst das Bedürfnis, eigene Erfahrungen oder Gedanken einzubringen.
Bilder und Illustrationen Zeigen Sie dem Zuhörer die Illustrationen des Buches oder bringen Sie ein passendes Bild mit.
Abweichen von der Textvorlage Wenn ein Text sehr lang ist, sollten Sie ihn in der Vorbereitung auf die Hauptaussagen kürzen. Unbekannte Wörter sollten Sie ebenfalls im Voraus ersetzen, damit sie den Vorlesefluss nicht stören. Wenn nötig, beschreiben Sie Inhalte auch mit eigenen Worten, achten Sie aber darauf, altbekannte Texte wie z. B. Märchen nicht inhaltlich zu ändern. Gedichte, Lieder und Balladen sollten selbstverständlich überhaupt nicht geändert werden.
Reaktionen des Zuhörers Beobachten Sie die Reaktionen Ihres Zuhörers ganz genau und passen Sie Ihr Lesetempo sowie die Dauer des Vorlesens ggf. an die aktuelle Situation an. Es ist nicht schlimm, wenn der Zuhörer möglicherweise einschläft, während Sie ihm vorlesen. Dies kann im Gegenteil sogar ein Zeichen dafür sein, dass er sich durch Ihre Stimme und das Lesen entspannen kann.

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