20-03-16

Demenz
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Mehr Bewegungsfreiheit dank Ortungsgeräten

Autor: Redaktion

Sie kennen es aus Ihrer Praxis: Viele Menschen mit Demenz sind unruhig und wollen sich viel bewegen. Ob sie nun als Ausflügler, Hinoder Wegläufer bezeichnet werden, spielt dabei keine Rolle. Solange Demenzerkrankte körperlich fit sind, ist gegen Spaziergänge ohne Begleitung im Grunde nichts einzuwenden. Ein allgemeines Lebensrisiko besteht schließlich bei allen Menschen. Häufig ist dieser Bewegungsdrang die einzig verbliebene Ressource der Erkrankten, die ihnen Eigenständigkeit bewahrt und so für Wohlbefinden sorgt.

Dazu kommt, dass stationäre Einrichtungen keine geschlossenen Anstalten sind und dass ein Einsperren der Bewohner weder erlaubt noch erwünscht ist. Die Interessen sind gegensätzlich Menschen mit Demenz haben oftmals den Wunsch, sich zu bewegen und die Einrichtung zu verlassen. Dabei finden sie bedingt durch ihre kognitiven Einschränkungen nicht immer den Weg zurück. Sie als Pflege- und Betreuungskraft hingegen sorgen sich, dass dem demenzerkrankten Bewohner etwas zustoßen könnte oder dieser ohne Hilfe draußen herumirrt.

Ein Ortungsgerät für demenzkranke Bewohnern

Um sicherzugehen, dass Menschen mit Demenz in Ihrer Einrichtung nicht verloren gehen, kann ein Personenortungssystem nützlich sein. Besonders GPS-Geräte („Global Positioning System“) als satellitengestützte Navigationssysteme können Ihnen dabei helfen. Mittlerweile zeigen GPS-Geräte den Aufenthaltsort einer Person fast auf den Meter genau an und sind dabei
äußerst zuverlässig. Die Umgangsweise mit diesen Geräten ist dabei unterschiedlich. So können die Datenn z. B. direkt auf einen Computer oder das Smartphone geleitet werden, oder es kann eine Notrufzentrale informiert werden, wenn der Betroffene einen gewissen, vorher festgelegten Radius rund um Ihre Einrichtung verlässt.

Das gilt es zu beachten wenn Sie Ortungsgeräte in Ihrem Pflegeheim einsetzen

Gerade Angehörige, aber auch viele Einrichtungen sind noch immer unsicher, ob eine richterliche Genehmigung eingeholt werden muss, wenn ein GPS-Gerät zum Einsatz kommen soll. Dabei hat die Rechtsprechung schon 2006 gesagt, dass der Einsatz von Ortungsgeräten allein noch keine freiheitsentziehende Maßnahme ist, sondern lediglich eine Beaufsichtigungsmaßnahme. (Brandenburgisches Oberlandesgericht, Urteil vom 19.01.2006, Az.: 11 Wx 59/05). Damit benötigen Sie in Ihrer Einrichtung auch nicht die Zustimmung durch ein Gericht, sondern lediglich die Zustimmung des Bewohners oder seines gesetzlichen Betreuers. Eine freiheitsentziehende Maßnahme würde nur dann vorliegen, wenn Sie das Gerät nutzen, um den Demenzerkrankten am Verlassen der Einrichtung zu hindern. Da GPSGeräte aber in der Praxis dazu dienen, dass Menschen mit Demenz ihren Bewegungsdrang ausleben, ist eine Genehmigung nicht notwendig.

Hinweis: Es gibt aber vereinzelt Gerichte, die bei einer GPS-Ortung grundsätzlich von einer genehmigungspflichtigen freiheitsentziehenden Maßnahme ausgehen. Prüfen Sie daher die Frage im Einzelfall in Zusammenarbeit mit den Betreuern.

Welche GPS-Geräte sind für demenzkranke Bewohner sinnvoll?

Personenortungssysteme gibt es inzwischen von vielen Herstellern und in verschiedenen Formen, und sie sind in der Regel einfach zu handhaben. Die Geräte sind zwischen 300 € und 1.500 € erhältlich. Sie bieten neben der Ortungsfunktion oft weitere Möglichkeiten, die aber Demenzerkrankte kaum nutzen können. Zum Beispiel einen großen Notfallknopf, den der Demenzkranke drücken muss, um eine Verbindung zu Ihnen herzustellen. Das Gerät sollte widerstandsfähig gegen Erschütterungen und dabei möglichst klein und leicht sein. Die Form des Ortungssystems ist ein wichtiger Punkt.

Bekommt ein Mensch mit Demenz ein Gerät um den Hals gehängt oder um die Hüfte gebunden, wird es häufig nicht akzeptiert. Es wird als Fremdkörper empfunden, den der Betroffene nicht kennt und daher nicht tragen möchte oder einfach ablegt. Hat das Ortungssystem dagegen ein vertrautes Design wie etwa eine Armbanduhr oder ein Schlüsselanhänger, nimmt der Demenzerkrankte es leichter an. Seit einiger Zeit gibt es auch Schuhe mit eingebautem GPS-Empfänger. Der Vorteil dabei ist, dass der Demenzkranke keinen Fremdkörper entdeckt und ihn nicht entfernen kann.

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